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Eine äusserst subjektive Auswahl Das Café Hawelka  Ein unklassischer Klassiker, von dem einige schon abraten, weil zu viele Touristen hinfänden. Das ist natürlich ein Schmarrn. Man muss nur zur richtigen Zeit hingehen, und vor allem: immer wieder. Dann nämlich wird man vom Herrn Ober erkannt und nicht mehr angschaut als sollte man sich üba d' Häusa haun. Möchte man Platz für sich haben, so wähle man einen Wochentag nach 11 oder gar 12 Uhr für seinen Besuch, aber es könnte sein, dass es gar etwas still ist, um die richtige Hawelka-Atmossphäre in sich aufzusaugen. Am besten, man geht gegen dreiviertel zehn hin, dann kommst man in Genuss der berühmten Buchteln. Ganz frisch! Und nur so köstlich im Hawelka. Seit der Eröffnung im neuen Lokal 1939 wurde die Einrichtung unverändert gelassen, was einige Besucher vielleicht als etwas ungepflegt empfnden mögen, aber gerade dieses Grindige verleiht dem Hawelka seinen unverwechselbaren, abgewetzten Charme, der von den Gezeiten der Geschichte flüstert, während du deine Melange zur Buchtel schlürfst. Das Café Sperl  Spätestens seitdem Julie Delpy und Ethan Hawke in der redseligen Liebesromanze Before Sunrise so hinreissend in den geblümten Plüschfauteuils des Sperl karessiert haben, ist dieses Café kein Unbekanntes mehr. Es spricht einiges für das Sperl, besonders aber, dass es gleich bei mir ums Eck liegt, und ich auch ohne grossen Aufwand zu Kaffee und Zeitung komme nach einer argen Nacht. Ungezwungen kann man stundenlang vor seinem kleinen Braunen und Glas Wasser sitzen und in aller Ruhe lesen, schreiben und das Alleinsein unter Leuten auskosten. Das Café Jelinek  In dieses schnuckelige Café inmitten meines Grätzels, des 6. Bezirks, verirrt sich selten ein Gscherter. Mit seinen vergilbten Tapeten und den verblassten, mit grünem Samt überzogenen Bänken hat das Jelinek das Flair eines heruntergekommenen Bohémiens. Eine zusätzlich nostalgische Note setzt der gusseiserne Jugendstil-Ofen, der im Winter mit Holz befeuert wird und dem verarmten Studenten die Finger in seinen löchrigen Handschuhen wärmt. Authentischer gehts nimmer. Das Café Rüdigerhof  In einem urschönen Jugenstilhaus (erbaut von Oskar Marmorek) ist dieses intellektuelle Café mit seiner etwas eklektizistischen Einrichtung untergebracht. Der schattige Schanigarten verleitet dazu, an heissen Sommertagen zu verweilen und einen Gspritzten zum Mittagsmenü zu geniessen. Aber passen S' auf, dass S' nicht angstrudelt zum hackeln zurück gehen müssen. Das Café Prückel  Ideal, um sich mit seine Hawara zu treffen und gepflegt zu raunzn über die schnöde Politik, die fade zeitgenössische Literatur und die öden Weiba. Die originale 50er-Jahre-Einrichtung (diese Luster!) lässt existenzialistisches Lebensgefühl aufkommen und verleitet zu übermässigem Zigarettenkonsum, was sich schliesslich in der Luftqualität bemerkbar macht. Falls man den argen Rauchschwaden entfliehen möchte, kann man sich in den meist etwas leeren, unlustigen Nichtrauchersalon begeben. Vom laptop-bewehrten Student bis zur exaltierten Dame sind verschiedenste Gattungen im Prückel; man liest Zeitung, trinkt einen Verkehrten, und sieht sich aus dem Augenwinkel das Kaffehaustreiben an. Glossar (eine äusserst subjektive Auswahl) leiwand - grossartig, toll üba d' Häusa haun - aus dem Blickfeld verschwinden (dem des Kellners selbstverständlich) dreiviertel zehn - viertel vor neun Buchtel - Mehlspeise mit süsser Füllung grindig -, abgenutzt, schmutzig, im Laufe der Zeit erodiert und überwachsen. Für das Hawelka gilt keinesfalls zweiteres! kleiner Brauner - Espresso mit Milch GscherteR - Nicht-WienerIn Gespritzter - mit Mineralwasser „gespritzter“ Wein, meist weisser. angstrudelt - beschwipst hackeln - arbeiten die Hawara - die Busenfreunde raunzn - sich beklagen über etwas, jammern Luster - Kronleuchter ein Verkehrter - ein Café Latte Iris von Streit
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